Historischer Rückblick

Die Familie Feise läßt sich in Fredelsloh urkundlich bis in die siebente Generation zurückverfolgen. Als ältestes Ehepaar sind aus der Mitte des 18. Jahrhunderts Johann Heinrich Feise und Frau Engel-Christine, geborene Schröder, bekannt. Ihr am 15. Mai 1793 geborener Sohn Johann Feise starb im Jahre 1851. Er war mit Anna Ohle aus Rotenkirchen verheiratet, die im Jahre 1881 verstarb.

Deren Sohn Heinrich Feise, geboren am 1. Dezember 1824, wird in seiner Sterbeurkunde vom 25. August 1778 bereits als Zimmermann in Fredelsloh genannt. Er war verheiratet mit Charlotte Henkelmann aus Fredelsloh, die am 27. August 1899 verstarb. Den Nachlass von Zimmermann Heinrich Feise versteigerte im Auftrag der Erben der Moringer Gerichtsvollzieher Rengstorf 1879 für 5.451,35 Mark. Die handschriftlich gefertigte Abrechnung liegt noch vor. Das meiste ersteigerten die Miterben wieder, darunter ein Sohn, der Zimmermeister Heinrich Feise, das Wohnhaus in Fredelsloh Nr.87 am Hainberg für 2.178 Mark, einen Garten am Schafanger sowie unter anderem noch eine Kuh für 102 Mark, einen Ackerwagen für 61 Mark und eine Wanduhr für zwei Mark. Die Landwirtschaft spielte also neben der Zimmerei eine nicht unbedeutende Rolle.

Dieser Heinrich Feise ist der Urgroßvater des jetzigen Firmeninhabers. Er schrieb vor hundert Jahren, am 11. November 1878, als er die Baugewerkschule in Holzminden besuchte, einen Lebenslauf, der als Dokument noch im Familienbesitz ist. Geboren wurde dieser zweite Heinrich Feise am 12. April 1850, zwei Jahre nachdem die Fredelsloher im Revolutionsjahr 1848 ihren Klosterhof "erstürmt" und damit veranlasst hatten, dass ein Schwadron Northeimer Kürassiere mit blankgezogenen Säbeln in das Dorf einrückte. Alles war noch einmal "glimpflich" abgegangen, in der Folge kam es sogar zu einigen Verbesserungen in der Lebenshaltung der Dörfler.

Aus dieser Zeit ist noch eine ganze Reihe handgeschriebener Urkunden vorhanden. So sagt ein Frachtbrief der Königlichen Eisenbahn-Direktion Hannover vom 7. Mai 1886 aus, dass der Transport von zwei Waggons Stammholz für den Zimmermeister Heinrich Feise von Katlenburg nach Moringen 17,50 Mark kostete. Das Holz mußte dann noch mit dem Fuhrwerk vom Moringer Bahnhof nach Fredelsloh gebracht werden. Das war für die Pferde keine leichte Arbeit. Heute würde dieses Holz aus dem Mandelbecker Forst binnen kurzer Zeit auf Speziallastwagen unmittelbar aus dem Wald auf den Zimmerplatz rollen. An Hein Gebhardt in Elvershausen zahlte Zimmermeister Feise im gleichen Jahr in drei Raten den Betrag von 299 Mark für geliefertes Holz. Für diesen Holzpreis wäre heute wohl noch nicht einmal der Transport zu bezahlen.

Der Meister gehörte zu den Mitbegründern der Fredelsloher Spar- und Darlehenskasse und er war es auch, der Bürgschaft für den ersten Kredit leistete, den diese junge Genossenschaft am 31. Dezember 1895 dem Fredelsloher Töpfer Karl Baumann in Höhe von 400 Mark billigte. Heinrich Feise starb am 15. Januar 1920. Er hatte noch die Reichsgründung erlebt sowie die drei Kriege 1864, 1866 und 1870/71, schließlich auch wie Hannover zu Preußen kam. Seine Frau Christine Baumann wurde am 29. Dezember 1854 in Fredelsloh geboren und verstarb am 4. Frebruar 1940.

Am 9. Januar 1919 wurde vor dem Northeimer Notar Dr. Berendes ein Altenteilervertrag zwischen den Eheleuten Zimmermann Heinrich Feise und Frau Christiane einerseits sowie ihren Söhnen Zimmermeister Heinrich Feise und Zimmermann August Feise andererseits, geschlossen. Beide Söhne verpflichteten sich in diesem Vertrag, weitere Geschwister auszuzahlen und den Eltern eine Leibzucht zu gewähren. Dafür übernahmen sie den Grundbesitz, Zimmermeister Heinrich Feise unter anderem den Betrieb und Zimmermann August Feise das Haus am Hainberg gegenüber der früheren Poststelle sowie einen Garten am Schafanger gegenüber dem heutigen "Jägerhof". Der "Onkel August", wie er allgemein auch im Dorf genannt wurde, war bis zu seinem Tod im Jahre 1970 im Zimmereibetrieb des Bruders und später des Neffen tätig.

Der Großvater des jetzigen Firmeninhabers, der dritte Zimmermeister Feise mit Vornamen Heinrich, wurde am 26. März 1881 geboren und besuchte ebenfalls die Baugewerkschule in Holzminden. Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg übernahm er, erst 27 Jahre alt, in wirtschaftlich schwieriger Zeit den väterlichen Handwerksbetrieb. Am 1. Januar 1919 war gemäß Eintragung im Grundbuch die Auflassung des gegenüber des Zimmerplatzes erworbenen Grundstückes erfolgt, auf dem das Wohnhaus steht. Als erste bedeutsame Maßnahme gelang es dem jungen Firmeninhaber, am 1. April 1919 die seit langer Zeit mit der Klosterkammer in Hannover laufenden Kaufverhandlungen für das bis dahin gepachtete Betriebsgelände zum Abschluss zu bringen. Als Kaufsumme waren 900 Mark zu zahlen. Diesen Platz hatte die frühere Klostergutpächterin Auguste Löhr am 1. Mai 1897 in die Familie Feise mit Genehmigung der Klosterkammer unterverpachtet und ihr Nachfolger, Klostergutspächter Karl Uibeleisen, der älteren Fredelsloher Generation noch gut in Erinnerung, verlängerte am 1. Mai 1905 diesen Pachtvertrag. Heinrich Feise baute den Zimmereibetrieb zielstrebig weiter aus und leitete ihn mit Geschick über gute und schlechte Zeiten, über die Weltwirtschaftskrise der zwanziger Jahre, durch den Zweiten Weltkrieg und über die Zeit des Zusammenbruchs bis hin zur Währungsreform. Er war verheiratet mit Helene Grote, geboren am 31. März 1882 in Fredelsloh und verstorben am 19. September 1957. Dieser Ehe entstammen zwei Kinder, Heinrich Feise und Tochter Hildegard, die im blühenden Alter von 23 Jahren verstarb. Zimmermeister Heinrich Feise sen. verstarb, hochgeachtet und weit über sein Heimatdorf hinaus bekannt, am 2. Juli 1948 und wurde wie seine Vorfahren auf dem Friedhof am Fuße der Weper zur letzten Ruhe gebettet.

Nach ihm übernahm sein Sohn, Zimmermeister Heinrich Feise, der jüngste der vier Träger gleichen Namens und gleichen Berufs, die Leitung dieses Handwerksbetriebes. Er wurde am 19. April 1923 in Fredelsloh geboren und war bis kurz vor seinem Tod im Oktober 2012 im Betrieb tätig.

Seit dem 1.1.1988 führt Andreas Heinrich Feise den Betrieb in der 5. Generation. Der Tradition folgend absolvierte Andreas H. Feise zuerst eine Zimmererlehre im Betrieb Peter-Holzbau in Markoldendorf. Im Anschluß folgte ein Studium mit dem Abschluß als Diplom-Wirtschaftsingenieur, Bauingenieurwesen/konstruktiver Ingenieurbau und Wirtschaftsingenieurwesen/ EDV und Planungsmethoden.